Longieren ist eine der ältesten und effektivsten Trainingsformen im Reitsport. Dabei wird das Pferd auf einem Zirkel bewegt, meist mit einem Radius von etwa acht Metern. Richtig eingesetzt hilft Longieren dabei, dein Pferd zu gymnastizieren, Muskulatur aufzubauen und Balance, Takt sowie Losgelassenheit zu fördern – und das ganz ohne Reitergewicht.
Ob zur Ausbildung junger Pferde, zum Aufwärmen, zum Konditionsaufbau oder als Abwechslung für fortgeschrittene Pferde: Die Arbeit an der Longe ist vielseitig einsetzbar. Auch im Voltigiersport gehört die Longe zum wichtigsten Equipment. Ohne gute Longe? Schwierig. Ohne Plan? Noch schwieriger.
Die richtige Ausrüstung zum Longieren von Pferden entscheidet dabei maßgeblich darüber, ob dein Pferd einfach nur bewegt oder wirklich sinnvoll gearbeitet wird. Vor allem die Wahl der passenden Longe macht einen großen Unterschied. In diesem Beitrag klären wir auf über verschiedene Longenarten, ihr Vor- und Nachteil und ihren Einsatz.
Warum longiert man ein Pferd?
Longieren erfüllt mehrere zentrale Trainingsziele. Je nach Ausbildungsstand deines Pferdes und deinem Trainingsziel kann die Longe ganz unterschiedlich eingesetzt werden.
Gymnastizierung
Beim Longieren wird die Rückenmuskulatur aktiviert, die Losgelassenheit gefördert und die Hinterhand gestärkt. Dein Pferd lernt, sich auf gebogener Linie besser auszubalancieren und gleichmäßig auf beiden Händen zu arbeiten.
Ausbildung junger Pferde
Junge Pferde lernen an der Longe Takt, Gangarten, Balance und erste Hilfen kennen, bevor ein Reiter aufsteigt. Das macht die Longe zu einem wichtigen Baustein in der Grundausbildung.
Kondition und Muskelaufbau
Nach Pausen oder zur Unterstützung der Fitness kann Longieren schonend zum Konditions- und Muskelaufbau eingesetzt werden. Wichtig ist dabei ein sinnvoller Aufbau – wildes Kreiseln ersetzt keinen Trainingsplan.
Abwechslung für ausgebildete Pferde
Auch gut ausgebildete Pferde profitieren vom Longieren. Es lockert die Muskulatur, bringt Abwechslung in den Alltag und stärkt die Grundgangarten.
Voltigieren
Im Voltigiersport ist die Longe unverzichtbar. Ob WBO-Gruppe oder S-Mannschaft: Hier braucht es Profiequipment, eine ruhige Longenführung und eine sichere Verbindung zum Pferd.
Die Ausbildungsskala beim Longieren
Auch beim Longieren orientieren wir uns an der klassischen Skala der Ausbildung:
- Takt – klare, gleichmäßige Fußfolge
- Losgelassenheit – entspannte Muskeln und schwingender Rücken
- Anlehnung – gleichmäßige Verbindung zum Gebiss oder Kappzaum
- Schwung – aktive Hinterhand
- Geraderichtung – Balance auf beiden Händen
- Versammlung – stärkere Lastaufnahme der Hinterhand
Richtiges Longieren ermöglicht es, besonders die ersten vier Punkte gezielt zu trainieren. Bei fortgeschrittenen Pferden kann auch an Schwung, Geraderichtung und Versammlung gearbeitet werden. Je nach Longenart sind die Möglichkeiten dabei unterschiedlich fein – und genau deshalb schauen wir uns die Longenarten jetzt genauer an.
Longenarten: von Anfänger bis Profi
Die Wahl der Longe hängt vom Ausbildungsstand deines Pferdes, dem Trainingsziel und deiner Erfahrung als Longenführer ab. Manche Longen eignen sich besonders gut für den Einstieg, andere für präzises Gymnastizieren oder die professionelle Ausbildung.
Duo-Longe mit Spezialgewebe: Einstieg und Lockern
Die Duo-Longe besteht aus dickem Spezialgewebe. Sie ist besonders weich und wird häufig von Anfängern genutzt, um das Pferd vor dem Reiten oder an reitfreien Tagen locker zu bewegen.
Einsatzbereiche: Longier-Anfänger, Lockerung und Aufwärmen von Pferden

Vorteile
- weich und angenehm in der Hand
- einfaches Handling für Einsteiger
- Drehkarabiner, um Verdrehungen der Longe zu minimieren
Nachteile
- sehr dick in der Hand
- schnelles Aufnehmen und Variieren der Zirkelgröße ist schwieriger
- weniger feine Hilfengebung möglich
- durch das Gewicht entsteht schneller leichter Druck auf dem Gebiss
- eher nicht für präzises Gymnastizieren geeignet

Grip-Longe: Kontrolle und Sicherheit
Die Grip-Longe besitzt eine gummierte oder strukturierte Oberfläche. Sie bietet guten Halt, ist vielseitig einsetzbar und eignet sich gut für das tägliche Training. Man kann sie sich ähnlich wie gummierte Zügel vorstellen: Du hast in der Longenhand einen sicheren Griff, weiche Hilfen durch leichtes Aufnehmen und Loslassen sind aber schwieriger möglich.
Einsatzbereiche: regelmäßiges Longieren, Ausbildung junger Pferde, Reitschulen, Anfängertraining
Vorteile
- sehr guter Griff in der Hand
- hohe Kontrolle über das Pferd
- robust und vielseitig nutzbar
- Drehkarabiner
Nachteile
- etwas steifer als weiche Gurtlongen
- weniger feine Hilfengebung möglich als bei dünnen Longen
- immer mit Handschuhen nutzen
Doppellonge: Profi-Ausbildung und Korrekturarbeit
Die Doppellonge besteht aus zwei Longen aus Gurtmaterial, die über Umlenkrollen oder seitlich am Gebiss geführt werden. Sie wird hauptsächlich von Profis und in der Pferdeausbildung eingesetzt.
Einsatzbereiche: Profis, Trainer, Reitschulen, Korrekturarbeit bei jungen Pferden, fortgeschrittenes Gymnastizieren, Vorbereitung auf das Reiten

Vorteile
- präzise Einwirkung auf Hinterhand, Schulter und Stellung
- vielseitige gymnastische Arbeit möglich
- Kontrolle bei fortgeschrittenem Training
- geeignet für Übergänge, Seitengänge und Versammlung
Nachteile
- komplex in der Handhabung
- benötigt Erfahrung für korrekte Hilfengebung
Longe aus weichem Gurtmaterial: präzises Longieren
Diese Longe ist besonders weich, flexibel und dünn. Dadurch kann der Longenführer feine Hilfen geben. Sie eignet sich hervorragend für präzises Gymnastizieren, Zirkelvergrößerung und -verkleinerung sowie Trittverlängerung.
Besonders die schwarze Longe mit 9,5 Metern bietet die Möglichkeit, die ganze Halle effektiv zu nutzen und dem Pferd im Training mehr Raum zu geben, zum Beispiel im Galopp. Gute Longierer können mit solchen Longen bei entsprechend ausgebildeten Pferden bis zur Versammlung arbeiten.
Einsatzbereich: Voltigieren, fortgeschrittene Reiter, Pferdeausbildung, Turniervorbereitung, gymnastizierende Übungen, Balance und Losgelassenheit
Varianten

Weiße Longe mit 8,5 m
- LPO-Länge
- kürzer und für Turniere zugelassen

Schwarze Longe mit 9,5 m
- länger
- für mehr Raum im Training und die Arbeit in der Halle
Vorteile
- dünn genug, um Hilfen direkt zu übertragen
- feines Annehmen und Nachgeben möglich
- „Schwammeffekt“ kommt besser beim Pferd an
- sehr leicht, dadurch präzisere Hilfengebung als bei schweren Modellen
- ideal für gymnastizierende Arbeit und Voltigieren
- keine Verfälschung der Hilfengebung durch Wirbelkarabiner
Nachteile
Eigentlich gibt es kaum welche. Anfänger können mit der Länge anfangs etwas schlechter zurechtkommen. Man muss üben, die Longe schnell, sauber und ohne Knoten aufzunehmen, wenn man das Pferd heranholen möchte.
Longieren von Pferden: Wie finde ich die passende Ausrüstung?
Die passende Ausrüstung zum Longieren sollte immer zum Pferd, zum Trainingsziel und zur Erfahrung des Longenführers passen. Die Longe ist dabei ein zentrales Element, aber auch Longiergurt, Kappzaum, Trense oder Longierhilfen können je nach Trainingsziel eine wichtige Rolle spielen.
Entscheidend ist: Das Material muss gut in deiner Hand liegen, sichere Führung ermöglichen und feine Hilfen zulassen. Eine dicke Longe kann für Anfänger angenehm sein, eine dünne Gurtlonge bietet deutlich feinere Möglichkeiten und die Doppellonge gehört klar in erfahrene Hände.
Vom Boden aus kannst du außerdem sehr gut erkennen, wo dein Pferd Unterstützung braucht: Nimmt es die Hinterhand mit? Hat es Schwierigkeiten, sich zu biegen? Wo liegen die Grenzen in der Bewegung? Longieren zeigt dir genau das – manchmal sehr charmant, manchmal ziemlich ehrlich.
Fazit: Die richtige Longe macht den Unterschied
Longieren ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Pferdeausbildung. Es hilft dabei, dein Pferd zu gymnastizieren, zu lockern, Muskulatur aufzubauen und Bewegungsabläufe zu verbessern.
Von der Duo-Longe für Anfänger über die Grip-Longe für Kontrolle und Sicherheit bis hin zur weichen Gurtlonge für präzises Arbeiten und zur Doppellonge für Profis lassen sich alle Ausbildungsstufen abdecken.
Wichtig ist, dass die Longe zu deiner Hand, deinem Können und deinem Pferd passt. Feine Hilfen, Sicherheit und eine klare Longenführung machen aus dem Longieren ein wertvolles Training für gesunde, leistungsfähige Pferde.
FAQ: Häufige Fragen zum Longieren beim Pferd
Man longiert ein Pferd, um es zu gymnastizieren, Muskulatur aufzubauen, Balance zu fördern und Takt sowie Losgelassenheit zu verbessern. Auch zur Ausbildung junger Pferde, zum Aufwärmen und im Voltigiersport ist Longieren sehr wichtig.
Zur Longieren Pferd Ausrüstung gehören je nach Trainingsziel eine passende Longe, Longierpeitsche, Kappzaum oder Trense, eventuell ein Longiergurt sowie bei Bedarf Longierhilfen. Handschuhe sollten beim Longieren immer getragen werden.
Für Anfänger eignet sich häufig eine Duo-Longe mit Spezialgewebe. Sie ist weich, liegt angenehm in der Hand und lässt sich einfach bedienen.
Für präzises Longieren eignet sich eine dünne, weiche Gurtlonge. Sie ermöglicht feine Hilfen, direktes Annehmen und Nachgeben sowie gymnastizierende Arbeit bis hin zu fortgeschrittenen Übungen.
Eine Grip-Longe bietet sehr guten Halt und hohe Kontrolle. Sie eignet sich gut für das tägliche Longieren, für junge Pferde, Reitschulen und Anfängertraining.
Die Doppellonge wird für fortgeschrittene Ausbildung, Korrekturarbeit und gymnastizierende Übungen genutzt. Mit ihr kann präzise auf Hinterhand, Schulter und Stellung eingewirkt werden.
Ja, besonders Takt, Losgelassenheit, Anlehnung und Schwung lassen sich beim Longieren gut trainieren. Fortgeschrittene Pferde können auch an Geraderichtung und Versammlung arbeiten.
Bei bestimmten Gurtlongen wird bewusst auf einen Wirbelkarabiner verzichtet, weil dieser die Hilfengebung verfälschen kann. Außerdem ist ein Wirbelkarabiner auf LPO-Turnieren nicht erlaubt.