Die Schermaschine ist bereit, das Winterfell dicht – und jetzt soll es runter. Aber einfach irgendwo ansetzen und losrasieren? Lieber nicht. Wer Pferde richtig scheren möchte, braucht neben einer guten Schermaschine vor allem eine saubere Vorbereitung, ein bisschen System und ausreichend Ruhe.
In Teil 1 unserer Reihe zum Pferdescheren haben wir bereits geklärt, warum und wann man Pferde schert, welche Schurarten es gibt und weshalb wir eine Schnittlänge von etwa 1,5 mm empfehlen.
Jetzt wird es praktisch: Wie schert man ein Pferd richtig? Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du Arbeitsplatz, Pferd und Schermaschine vorbereitest, wo du mit der Schur beginnst und wie du auch an schwierigeren Stellen sauber arbeitest.
Wie schert man ein Pferd richtig?
Eine gute Pferdeschur läuft im Grunde in vier Schritten ab:
- Die passende Umgebung vorbereiten.
- Das Pferd auf die Schur vorbereiten.
- Die Schermaschine kontrollieren und vorbereiten.
- Das Pferd systematisch scheren.
Klingt einfach? Ist es mit etwas Übung auch.
Trotzdem gibt es einige Tipps zum Pferd scheren, die dir ein gleichmäßigeres Ergebnis bescheren und die ganze Aktion für dein Pferd angenehmer machen.

1. Die richtige Umgebung zum Pferdescheren
Bevor du die Schermaschine einschaltest, solltest du den passenden Arbeitsplatz vorbereiten. Eine geeignete Umgebung sorgt dafür, dass du sicher, konzentriert und möglichst stressfrei scheren kannst.
Ruhige und gewohnte Umgebung wählen
Schere dein Pferd möglichst an einem Ort, den es kennt und an dem wenig Trubel herrscht. Gerade junge Pferde oder Tiere, die zum ersten Mal geschoren werden, profitieren von einer ruhigen Umgebung. Achte außerdem auf ausreichend Licht. So erkennst du Schurlinien, Übergänge und einzelne stehengebliebene Haare deutlich besser.
Einen trockenen und sicheren Boden nutzen
Der Boden sollte trocken, eben und möglichst rutschfest sein. Das ist sicherer für Pferd und Mensch und spart dir hinterher einiges an Arbeit. Denn nach einer Vollschur liegt überraschend viel Pferd auf dem Boden. Auf feuchtem Untergrund kleben die Haare fest, lassen sich schlechter zusammenfegen und werden später leichter im Stall verteilt und aufgewirbelt.
2. Das Pferd auf die Schur vorbereiten
Eine saubere Schur beginnt mit einem gut vorbereiteten Pferd. Mit der richtigen Vorbereitung erleichterst du dir die Arbeit und sorgst für ein gleichmäßigeres Ergebnis.

Nur sauberes und trockenes Fell scheren
Sand, Staub, Schmutz und Feuchtigkeit setzen den Schneidemessern zu und können für ein ungleichmäßiges Ergebnis sorgen. Putze dein Pferd deshalb vor der Schur gründlich. Ist das Fell stark verschmutzt, kann vorheriges Waschen sinnvoll sein. Wichtig: Schere erst, wenn Fell und Haut wieder vollständig trocken sind.
Pferd an die Schermaschine gewöhnen
Wird dein Pferd zum ersten Mal geschoren, solltest du zunächst testen, wie es auf Geräusch und Vibration reagiert. Schalte die Maschine mit etwas Abstand ein und nähere dich langsam. Bleibt dein Pferd entspannt, kannst du es Schritt für Schritt an die Vibration gewöhnen. Direkt mit laufender Maschine am Bauch loszulegen, ist dagegen eher die Kategorie: Wie mache ich mich möglichst schnell unbeliebt?
Einen Helfer dazuholen
Gerade bei unerfahrenen oder nervösen Pferden ist eine zweite Person sinnvoll. Der Helfer kann ruhig mit dem Pferd sprechen, seine Reaktionen beobachten und den Führstrick sicher handhaben. Wichtig ist, dass sich das Pferd bei einer Schreckreaktion nicht festsetzen oder verletzen kann. Gerät dein Pferd in Panik, wird die Schur unterbrochen. Eine gerade Schurlinie ist schließlich nicht wichtiger als die Sicherheit von Pferd und Mensch.
Mähne und Schweif wegbinden
Binde oder flechte Mähne und Schweif so weg, dass keine langen Haare versehentlich in die Maschine geraten. Ein kleiner Vorbereitungsschritt mit ziemlich großem Nutzen. Ein versehentlich angeschnittener Schweif steht nämlich auf keiner Wunschliste.
Hilfslinien für die Schur einzeichnen
Bei einer Teil- oder Deckenschur helfen vorher eingezeichnete Linien, die gewünschte Schur möglichst gleichmäßig und symmetrisch umzusetzen. Dafür eignet sich beispielsweise ein gut sichtbarer Kohlestift beziehungsweise ein für das Fell geeigneter Markierstift.
Unser Tipp
Kontrolliere deine Linien anschließend mit etwas Abstand. Direkt neben dem Pferd sieht schließlich erstaunlich vieles gerade aus.

3. Die Schermaschine richtig vorbereiten
Nicht nur dein Pferd sollte gut vorbereitet sein. Auch ein kurzer Check der Schermaschine gehört dazu, damit du sauber und ohne unnötige Unterbrechungen arbeiten kannst.
Saubere und geölte Messer verwenden
Der Schneidsatz sollte sauber, scharf und ausreichend geölt sein. Auch während der Schur musst du regelmäßig nachölen. Als praktischen Richtwert kannst du etwa alle fünf Minuten kontrollieren und Öl nachgeben. Beachte zusätzlich die Pflegehinweise des Herstellers. Prüfe dabei immer wieder die Temperatur der Messer. Werden sie deutlich warm, brauchen Maschine und Schneidsatz eine Pause.
Verlängerungskabel passend wählen
Arbeitest du mit einer kabelgebundenen Maschine, sollte das Verlängerungskabel lang genug sein, damit du dich frei um das Pferd bewegen kannst. Praktisch ist es, das Kabel von der Maschine aus locker über die Schulter zu führen. Dadurch liegt es weniger im Arbeitsbereich und du trittst nicht so schnell darauf. Das Kabel sollte dabei immer frei bleiben und niemals um Arm oder Körper gewickelt werden.
4. Der Scherprozess: Schritt für Schritt
Pferd, Arbeitsplatz und Schermaschine sind vorbereitet – jetzt kann es losgehen. Mit der richtigen Vorgehensweise gelingt dir die Schur Schritt für Schritt.

Immer gegen die Fellrichtung scheren
Führe die Schermaschine grundsätzlich gegen die Haarwuchsrichtung. Arbeite mit langen, ruhigen Zügen und lass die einzelnen Bahnen leicht überlappen. Dadurch bleiben weniger Fellstreifen stehen und das Schnittbild wird gleichmäßiger. Vermeide unnötigen Druck. Ein sauberer und scharfer Schneidsatz sollte durch das Fell gleiten, ohne dass du die Maschine fest auf die Haut drücken musst.
Welche Schnittlänge ist sinnvoll?
Wir empfehlen bei vielen klassischen Pferdeschuren eine Schnittlänge von rund 1,5 mm.
An der Schulter anfangen
Beginne die Schur am besten im Schulterbereich. Dort reagieren viele Pferde weniger empfindlich auf Geräusch und Vibration als beispielsweise am Kopf oder Bauch. Gleichzeitig bietet die Schulter eine große, relativ ebene Fläche. Gerade bei unerfahrenen Pferden ist sie deshalb ein guter Startpunkt.
In langen und ruhigen Bahnen arbeiten
Arbeite dich von der Schulter aus systematisch über Hals und Körper weiter. Kurze, hektische Bewegungen sorgen schneller für sichtbare Übergänge und Streifen. Lange und leicht überlappende Scherbahnen ergeben dagegen ein ruhigeres Fellbild. Achte außerdem darauf, dass sich die Haarwuchsrichtung an verschiedenen Körperstellen verändert. Passe deine Scherrichtung entsprechend an.
Hautfalten glatt halten
An Brust, Achseln, Ellbogen und anderen Übergängen entstehen schnell Hautfalten. Ziehe die Haut dort mit der freien Hand vorsichtig glatt und arbeite langsam. Schiebe die Maschine niemals mit Druck in eine Falte hinein. Hier gilt ganz eindeutig: Gründlich schlägt schnell.
Erst große Flächen, dann Kurven und Details
Beim Pferd richtig scheren hat sich folgende Reihenfolge bewährt: Zuerst die großen Flächen: Beginne mit Hals, Schulter, Körper und Hinterhand. Danach Beine, Kurven und Faltenbereiche: Hier erleichtert dir eine kleinere und handlichere Maschine die Arbeit. Zum Schluss die Details: Für Kopf, äußere Ohrenpartien und feine Konturen eignet sich ein kleiner Trimmer.
Kopf und empfindliche Stellen vorsichtig scheren
Kopf, Ohren und Beine empfinden viele Pferde als unangenehmer als die großen Körperflächen. Arbeite deshalb langsam und lieber in kurzen Etappen. Rund um Augen und Maul ist besondere Vorsicht gefragt. Die Tasthaare bleiben stehen. Auch an den Ohren solltest du nur dort scheren, wo du sicher arbeiten und genau sehen kannst, was du tust.
Tipp
Wird dein Pferd zunehmend nervös, mach besser eine Pause.
Pferd scheren bei Nervosität: Diese Tipps helfen
Nicht jedes Pferd findet einen summenden und vibrierenden Gegenstand an seinem Körper sofort großartig. Wenn dein Pferd nervös reagiert, sind Zeit, Gewöhnung und ein ruhiger Ablauf wichtiger als Geschwindigkeit. Beginne möglichst schon vor der eigentlichen Schur damit, dein Pferd an das Geräusch und die Vibration der Maschine zu gewöhnen. Während der Schur hilft es außerdem:
- an der Schulter zu beginnen,
- ruhig und vorhersehbar zu arbeiten,
- regelmäßig Pausen einzulegen,
- einen erfahrenen Helfer dabeizuhaben und
- die Schur bei deutlicher Panik abzubrechen.
Gut zu wissen:
Bei sehr unsicheren Pferden kann es sinnvoll sein, einen erfahrenen Scherprofi hinzuzuziehen.
Pferd richtig scheren: Unsere wichtigsten Tipps auf einen Blick
Für eine möglichst saubere und sichere Schur solltest du diese Punkte beachten:
- Nur sauberes und trockenes Fell scheren.
- Immer gegen die Haarwuchsrichtung arbeiten.
- Lange und leicht überlappende Bahnen ziehen.
- Den Schneidsatz regelmäßig ölen. – alle 5 Minuten
- Die Temperatur der Messer kontrollieren.
- Bei unerfahrenen Pferden an der Schulter beginnen.
- Hautfalten vorsichtig glattziehen.
- Für enge Stellen und Details ein handlicheres Gerät nutzen.
- Bei nervösen Pferden ausreichend Pausen einplanen.
- Nach der Schur Haut und Fell kontrollieren.
Was solltest du nach dem Scheren beachten?
Nach der Schur solltest du lose Fellreste mit einer weichen Bürste oder einem sauberen Tuch entfernen. Nutze die Gelegenheit, um die Haut auf kleine Rötungen oder empfindliche Stellen zu kontrollieren. Je nach Schurart fehlt deinem Pferd nun außerdem ein Teil seiner natürlichen Fellisolierung. Ob und welche Decke notwendig ist, hängt unter anderem von Temperatur, Haltung, Wetter und Umfang der Schur ab.
Fazit: Mit Vorbereitung lässt sich ein Pferd deutlich leichter richtig scheren
Pferde richtig zu scheren hat weniger mit Geschwindigkeit als mit Vorbereitung und einer guten Reihenfolge zu tun.
Such dir einen ruhigen Arbeitsplatz, bereite dein Pferd sorgfältig vor und prüfe die Schermaschine, bevor du loslegst. Dann arbeitest du dich von der Schulter über die großen Flächen bis hin zu Falten, Beinen und feinen Konturen vor. Immer gegen die Fellrichtung, immer mit sauberen und geölten Messern – und bitte ohne den Anspruch, beim ersten Versuch direkt die Pferdefriseur-Weltmeisterschaft zu gewinnen.
Je häufiger du scherst, desto besser bekommst du ein Gefühl für Fellrichtung, Übergänge und die Führung der Maschine.
Und damit sind wir direkt beim nächsten Thema: Welche Schermaschine eignet sich eigentlich für welchen Zweck? Genau das schauen wir uns in Teil 3 unserer Reihe „Pferde scheren“ an. Dort geht es um große Schermaschinen, handlichere Geräte, Trimmer und darum, welches Modell zu welchem Einsatz passt.
Häufige Fragen zum Pferde richtig scheren
Bereite einen ruhigen, trockenen und rutschfesten Arbeitsplatz vor. Das Fell sollte sauber und trocken sein und dein Pferd an das Geräusch der Maschine gewöhnt werden. Beginne an der Schulter und arbeite mit langen Zügen gegen die Fellrichtung. Kontrolliere regelmäßig Messer, Ölstand und Temperatur. Bei starker Angst oder Panik wird die Schur unterbrochen.
Am besten startest du an der Schulter. Sie bietet eine große, relativ ebene Fläche und viele Pferde reagieren dort weniger empfindlich auf die Schermaschine als an Bauch, Beinen oder Kopf.
Schere mit langen, gleichmäßigen Zügen gegen die Haarwuchsrichtung und lass die Bahnen leicht überlappen. Wichtig sind außerdem saubere, scharfe und regelmäßig geölte Messer.
Das hängt vom individuellen Fellwachstum, der Haltung, dem Training und der Schurart ab. Manche Pferde werden nur einmal im Winter geschoren, andere benötigen später eine weitere Schur. Orientiere dich deshalb am Fell und daran, wie stark dein Pferd bei der Arbeit schwitzt und wie schnell es trocknet.
In der Regel reicht es zunächst, lose Haare mit einer weichen Bürste oder einem sauberen Tuch zu entfernen. Aggressive oder stark parfümierte Pflegeprodukte sind auf frisch geschorener Haut nicht notwendig. Entscheidend sind eine Hautkontrolle und – je nach Wetter und Schurart – eine passende Pferdedecke.
Gewöhne dein Pferd schrittweise an Geräusch und Vibration. Beginne zunächst mit Abstand, plane kurze Einheiten und Pausen ein und lass dir bei Bedarf von einer zweiten Person helfen. Zeigt dein Pferd deutliche Panik, wird die Schur beendet.
Schere nur sauberes und trockenes Fell, arbeite mit scharfen Messern und kontrolliere regelmäßig deren Temperatur. Vermeide starken Druck und unnötiges mehrfaches Nachscheren derselben Stelle. Bleiben deutliche Rötungen bestehen oder entstehen offene beziehungsweise nässende Hautstellen, solltest du die Ursache tierärztlich abklären lassen.
Dein Kavalkade Team